Der Mann mit den sieben Masken

AUTHENTISCH SEIN

Eine Geschichte und ein Picknick mit einer Philosophin

Authentisch sein – gar nicht so einfach

Authentisch sein klingt zwar simpel – doch für viele von uns ist es eine der größten Herausforderungen. Schon in der frühen Kindheit lernen wir, uns anzupassen, Erwartungen zu erfüllen und Rollen zu spielen. Wir verfeinern unsere Antennen dafür, was die Welt von uns erwartet, während wir häufig übersehen, was in uns selbst lebendig werden möchte. Echtes Leben heißt nicht, jede Maske radikal abzulegen oder immer „ungefiltert“ zu sein. Vielmehr bedeutet es, sich selbst wieder näherzukommen und den Mut zu finden, das eigene Gesicht zu zeigen – mit all seiner Verletzlichkeit, Unvollkommenheit und Schönheit. Die nachfolgende Erzählung handelt von diesem Augenblick: dem Moment, in dem das Entscheidende ans Licht kommt, weil alles andere nicht mehr verborgen werden kann.

Der Mann mit den sieben Masken

Es war einmal ein Mann, der trug sieben verschiedene Masken, für jeden Tag der Woche eine. Wenn er morgens aufstand, bedeckte er unverzüglich sein Gesicht mit einer seiner Masken. Sodann kleidete er sich an und ging zur Arbeit aus dem Haus. Er lebte auf diese Weise, ohne jemals irgendjemandem sein wahres Gesicht zu zeigen.

Doch eines Nachts, während er fest schlief, stahl ihm ein Dieb seine sieben Masken. Als er aufwachte und den Diebstahl feststellte, schrie er völlig kopflos: „Haltet den Dieb!“ Dann rannte er auf der Suche nach seinen Masken durch alle Straßen der Stadt.

Die Leute sahen ihn wild gestikulierend fluchen und die ganze Welt mit den schlimmsten Schicksalsschlägen bedrohen, wenn er nicht seine Masken wiederfinden könne. Den ganzen Tag verbrachte er damit, den Dieb zu suchen, aber es war alles umsonst.

Verzweifelt brach er zusammen und weinte wie ein kleines Kind. Die Leute versuchten, ihn zu trösten, aber nichts konnte ihm aus seinem Unglück helfen. Da kam eine Frau vorbei und fragte ihn: „Freund, was ist mit Dir los? Warum weinst du so?“ Er hob den Kopf und gab mit erstickter Stimme zur Antwort: „Man hat mir meine Masken gestohlen und mit derart unverhülltem Gesicht fühle ich mich viel zu verletzbar.“ „Tröste Dich“, sagte sie, „schau mich an: Ich habe von Geburt an immer mein Gesicht gezeigt.“ Er sah sie lange an und erkannte, dass sie sehr schön war. Die Frau beugte sich zu ihm herab, lächelte ihm zu und trocknete ihm die Tränen ab. Da spürte der Mann zum ersten Mal in seinem Leben auf seinem Gesicht, wie wohl es tat, zärtlich berührt zu werden.

Authentisch sein – ein Picknick mit einer Philosophin

Sofia Disson spricht mit mir bei einem Picknick im Schwetzinger Schlosspark über Philosophie, Authentizität und Verantwortung. Wenn Euch unsere Dynamik gefällt, haben wir für 2027 ein Seminar in Vorbereitung: „Authentisch sein – Naturphilosophie in der Praxis“.

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